Eine Lebensleistung, die ihresgleichen sucht, hat Gisela Spruck geschaffen. Die 93-Jährige hat aus einem verfallenen und gänzlich ausgeräumten Gebäude ein Schmuckstück und Baudenkmal sondergleichen geschaffen. Jetzt hat Landrat Jan Weckler Gisela Spruck in ihrem Heim, dem Hofgut Leustadt in Glauburg-Stockheim besucht.

Gisela Spruck, die in diesem Jahr noch 94 Jahre alt wird, lebt seit 1945 in dem Hofgut. Und es gibt niemanden, der sich so gut mit der 1200-jährigen Geschichte des Anwesens auskennt und so gut und unterhaltsam mit vielen Anekdoten darüber berichten kann wie Gisela Spruck.

Die hoch dekorierte große Dame des Wetterauer Denkmalschutzes stammt aus Brandenburg, wenige Kilometer nördlich von Berlin, wo ihre Eltern einen Bauernhof bewirtschafteten. Mit 16 machte sie Abitur und studierte Kunstgeschichte an der Universität in Leipzig. Kriegsbedingt wurde sie zum Landwirtschaftsdienst eingezogen und kam nach der Flucht in den Westen nach Leustadt, wo sie ihren späteren Ehemann Erwin Spruck kennenlernte.

Gebäude in Eigenregie saniert

Der Landwirt hatte das Hofgut 1933 gekauft. Nach dem Krieg war es in einem erbarmungswürdigen Zustand. Den Erhalt und die Wiederherstellung hat Gisela Spruck zu ihrem Lebenswerk gemacht. Daneben hat sie das große Hofgut mit mehr als 100 Hektar Land bewirtschaftet und die Gebäude nahezu in Eigenregie saniert. Mit über 80 Jahren stand sie noch auf dem Gerüst, verputzte das Gebäude und versah es mit einer selbst hergestellten Naturfarbe, die das Hofgut im Sonnenschein weiß wirken lässt, am frühen Morgen in ein zartes Rosé taucht und es abends gelblich färbt. „Ein Gebäude von wunderbarer Schönheit, für dessen Erhalt die Nachwelt Gisela Spruck großen Dank schuldet“, sagte Landrat Weckler.

Anfänge des Hofgutes Leustadt liegen im Jahr 780

„Ich hab‘ einfach getan, was getan werden musste“, sagte Gisela Spruck, die seit 72 Jahren keinen Urlaub gemacht hat. „Aber warum auch? Es ist so wunderschön hier.“ Gisela Spruck hält das Erbe ihrer Vorfahren und das ihres Mannes in Ehren, die Geschichte eines Hauses, die weiter zurückreicht als die meisten Gebäude im ganzen Landkreis. Die urkundliche Ersterwähnung des Hofgutes Leustadt liegt im Jahr 780.

Gisela Spruck wurde für ihr ehrenamtliches Engagement für den Denkmalschutz mit zahlreichen Auszeichnungen hoch dekoriert. Die langjährige Vorsitzende des Wetterauer Denkmalbeirates wurde mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet, mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz und mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande. Mittlerweile hat Gisela Spruck die landwirtschaftlichen Flächen verpachtet, spricht aber immer noch gerne ein gewichtiges Wörtchen mit. Die vier Hektar große Bienenweide wird alljährlich auf ihren ganz besonderen Wunsch hin eingesät.

Landrat Jan Weckler war tief beeindruckt von dem Besuch „Ich bin begeistert von dem, was Sie hier in den letzten Jahrzehnten geleistet haben, das ist aller Ehren wert“, bedankte sich der Landrat für dieses unvergleichliche Engagement.

Quelle: Wetteraukreis

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