Der Naturschutzfonds Wetterau e. V. und der Wetteraukreis hatten kürzlich zu einer Tagung eingeladen, die sowohl bei Landwirten als auch bei Naturschützern auf offene Ohren stieß. Im Fokus standen die extensiv bewirtschafteten Grünlandauen der Wetterau. Wenn Landwirtschaft und Naturschutz zusammen kommen, denken manche eher an einen „Konflikt“. Dass dies nicht so ist, zeigte sich eindrücklich bei der Grünlandtagung in Ober-Mockstadt.

In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Naturschutzfonds Wetterau e. V. eröffnete Landrat Jan Weckler die Tagung, die mit über 150 Interessierten gut besucht war. Landwirtschaft und Naturschutz können sich gegenseitig ergänzen und eine ökologische und nachhaltige Bewirtschaftung gleichermaßen ermöglichen, sagte Weckler. Auch Florian Dangel, Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Wetterau-Frankfurt am Main sieht einen deutlichen Mehrwert in der Veranstaltung.

Grünland ist nicht gleich Grünland

Sie zählen zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa: Extensiv genutzte Grünlandflächen, die als Mähwiese oder Weide mit wenig oder keiner Düngung oder ohne Pflanzenschutzmitteln genutzt werden. Sie repräsentieren die ganze Standortvielfalt unserer Landschaften, von den Magerrasen trockener Kuppen bis hin zu den feuchten Flusstälern. Die hohe Vielfalt insbesondere der Blütenpflanzen ermöglicht auch eine besonders artenreiche Fauna.

Landwirte und Naturschützer arbeiten zusammen

Im Wetteraukreis existieren heute wieder teils großflächig extensiv genutzte Wiesen, vor allem innerhalb des Auenverbundes Wetterau. Nicht umsonst gilt dieser als „Hotspot“ der biologischen Artenvielfalt innerhalb der hessischen Flusslandschaften. Und dies, obwohl es sich um landwirtschaftliche Nutzflächen handelt. Landwirte und Naturschützer arbeiten in der Wetterau schon seit mehreren Jahrzehnten sehr eng zusammen und stimmen sich traditionell zum Schutz seltener Orchideen oder Wiesenvögel untereinander ab.

Was läuft gut, was könnte besser laufen?

Nach über drei Jahrzehnten der extensiven Grünlandnutzung im Rahmen der Agrarumweltprogramme war ein vertiefender fachlicher Austausch zu den Erfolgen und eventuellen Problemen sinnvoll. Bei der Grünlandtagung waren mehrere Fachreferenten aus Landwirtschaft und Naturschutz vertreten; sie behandelten die aktuellen Erkenntnisse zur naturschutzgerechten und gleichzeitig wirtschaftlichen Nutzung von Wiesen und Weiden im Wetteraukreis.

Astrid Rauner vom Büro Planwerk in Nidda stellte die sehr unterschiedlichen Anforderungen an die Bewirtschaftung der verschiedenen Grünlandtypen, wie zum Beispiel Feuchtwiesen, Frischwiesen, Salzwiesen oder Pfeifengraswiesen, dar. Unterschiedliche Grünlandtypen müssen auch unterschiedlich gepflegt werden. Zum Beispiel: wie oft wird geschnitten und wann? Auch die Frage der Beweidung ist wichtig. Auf sehr nassen Standorten kann Beweidung oder Mahd zum falschen Zeitpunkt die Grasnarbe empfindlich stören.

Ute Heinzerling vom Fachdienst Landwirtschaft - Agrarförderung und Agrarumwelt erläuterte die aktuellen Agrarumweltprogramme zur Förderung extensiver Nutzung im Grünland. Dabei geht es um Wasser-, Boden - und Klimaschutz und darum, die biologische Vielfalt der Kulturlandschaft zu erhalten und zu entwickeln.

Katharina David vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen wies auf die Anforderungen an die Qualität des Aufwuchses für die Futtergewinnung dar. Weil Heu von schlechter Qualität unmittelbar Einfluss auf die Tiergesundheit und das Wachstum hat ist ein gutes Grasnarbenmanagement wichtig. Zu später Schnitt, zu geringe Nutzung sollten vermieden werden. Durch Pflegeschnitte und Nachsaaten sollten die Gräser mit hohem Futterwert gefördert werden, was auch den Kräutern zu Gute kommt, die in verfilzten Grasnarben verdrängt werden. Maßvolle Düngung mit Kalk, Phosphor und Kali ist für die Futterqualität und bei bestimmten Wiesentypen sogar für die Artenvielfalt förderlich.

Dr. Anna Marie Techow vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen ging auf das Thema Giftpflanzen ein. Vor allem Herbstzeitlose, Sumpfschachtelhalm und Jakobskreuzkraut können den Aufwuchs für die Fütterung unbrauchbar machen. Ist eine Giftpflanze einmal auf einer Fläche "heimisch" geworden, so ist es langwierig, schwierig und zum Teil gar nicht mehr möglich, sie zu entfernen. Vorsorgen lässt sich mit einer Mahd zum richtigen Zeitpunkt, um zum Beispiel die Verbreitung der Samen zu unterbinden, oder die Pflanze zu einem empfindlichen Zeitpunkt zu schwächen. Einige Giftpflanzen wie das Wasserkreuzkraut müssen auch bestenfalls per Hand vollständig entfernt werden.

Die Erkenntnis, dass auch durch extensive Grünlandbewirtschaftung eine hochwertige Futtererzeugung verwirklicht werden kann, war eine der Botschaften, die die über 150 Teilnehmer aus der Veranstaltung mitnehmen. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis: Ökonomie und Artenvielfalt schließen sich keineswegs immer aus.

Quelle: Wetteraukreis

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